Jahresende – Rückblick auf das Jahr 2021 von Meminto

Jahresende – Anlass für einen Rückblick anhand eines Interviews auf die letzten Jahre und vor allem auch 2021 mit Albert Brückmann, Founder, Owner und CEO von Meminto. 

Albert, wann genau wurde Meminto gegründet?

Die Meminto GmbH wurde beim Notar im Mai 2017 gegründet. In meinem Kopf bestand sie schon seit 2008, der Name dafür wurde aber erst 2012 klar.

Welche ursprüngliche Idee stand dahinter?

In einer immer mehr digitalisierten Welt sammeln Menschen auch immer häufiger digitale Güter an. Ich selbst habe einmal nachgesehen, wie viele Passwörter ich allein in den letzten 15 Jahren gespeichert habe: 2465! Wenn ich diese hohe Anzahl nicht einmal mehr selbst verwalten kann, wer sollte das nach mir können? Aus diesem Grund wollte ich zunächst für mich selbst ein Tool haben, wo ich diese wichtigen Daten unabhängig von offiziellen Stellen ablegen und sicher speichern konnte. Damit einhergehend brauchte ich aber auch einen Prüfmechanismus, der immer wieder checkte, ob ich noch am Leben bin. Im Falle des Todes sollten meine Daten dann an ausgesuchte Personen gesendet werden, um alles zu klären, was geklärt werden müsste. Ich entwickelte Meminto: Einen Totmannschalter mit einem digitalen Safe, der Daten hochsicher (256-AES) verschlüsseln kann.

Wann und warum wurde das Thema auf persönliche Bücher fokussiert?

Ich bin mit dieser Idee im Startup Accelerator Cyberlab in Karlsruhe aufgenommen worden und konnte sie in Gesprächen mit Business Angels und anderen Beratern immer wieder auf ihre Machbarkeit, Skalierbarkeit und vor allem aufs Business Model prüfen. Schnell stellte sich heraus, dass es schwierig ist, damit wirklich Geld zu verdienen. Vor allem aber ist das Thema immer noch Tabu – solange man sich nicht damit beschäftigen muss, vermeidet man den Tod lieber (Dennoch entwickelte ich die Idee später noch weiter und brachte das ursprüngliche Produkt unter dem Namen „EmergencyWP“ als WordPress-Plugin auf den Markt.). Was jedoch in vielen Gesprächen deutlich wurde, war, dass der emotionale Nachlass vielen Menschen subjektiv gesehen genauso viel wert war. Das heißt: Die Geschichten und das Leben, das jemand hinterlässt. Wir begannen uns Gedanken zu machen, wie wir Geschichten des Lebens am besten festhalten konnten und kamen zu dem Frage-Antwort-System, das dann in „Meminto Stories“ aufgegangen ist. Meminto stellt also ganz persönliche Fragen und druckt aus den Antworten und Geschichten am Ende eine Biographie.

Wie strukturiert sich der Kundenstamm nach Geschlecht und Alter?

Die meisten Autoren auf unserer Plattform sind Mütter, die das Aufwachsen und die Geschichten mit ihren Kindern festhalten. Erst an zweiter Stelle kommen Menschen, die über sich selbst berichten. Hier sind die Geschlechter sehr gleich verteilt.

Welche Buchkategorien stehen aktuell zur Verfügung?

Wir haben festgestellt, dass man mit Fragen wirklich gut führen kann. Durch das eigene Leben, durch das gemeinsame Familien- oder Eheleben. Aber auch über verstorbene Familienmitglieder lassen sich Bücher schreiben, ebenso wie über Reisen oder das Leben mit den eigenen Eltern als Teenager. Derzeit haben wir somit neun verschiedene Bücher im Repertoire.

Welche ist die meistgewählte Kategorie?

Das Kindheitsbuch wird von den meisten Müttern gewählt, da sie besser geeignet sind als Fotobücher, um alles festzuhalten.

Was hat sich im Jahr 2021 bei Meminto geändert, was ist hinzugekommen?

Technisch, funktionell

  • Das gesamte System wurde stark erweitert, die Qualität der Buchlayouts erhöht und die Bedienung vereinfacht
  • Benutzer lassen sich durch Tipps besser zu ausführlicheren Antworten motivieren
  • Erste Gespräche mit KI-Unternehmen wurden aufgenommen, um das Erstellen von Antworten zu automatisieren

App

  • Eine neue App für iOS und Android hilft, Geschichten auch besonders einfach von unterwegs festzuhalten und Bilder hochzuladen
  • Über die App können auch neue Bücher gekauft und begonnen werden

 Personell

  • Das Team wurde um zwei weitere Mitarbeiter aufgestockt, die vor allem im Support und in der App-Entwicklung unterstützen

Homepage

  • Der Web-Auftritt wurde um ein mächtiges Shop-System erweitert, sowohl englisch- als auch deutschsprachig
Meminto_playstore_de_black

Wie hat sich die Nachfrage in 2021 entwickelt? Zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft?

Meminto ist noch immer ein kleines Startup, aber durch Marketing auf Social Media und Zusammenarbeit mit einigen Influencern konnten wir unsere Reichweite schon stark erhöhen. Das Geschäft seit Black Friday und Weihnachten lief gut, wir sind froh, gesund zu wachsen und unseren Kunden einen erstklassigen und schnellen Support anzubieten.

Was sind die Ziele für 2022, was dürfen die Kunden erwarten, gibt es weitere Ideen, Verbesserungen?

Kommendes Jahr werden wir das Marketing so richtig hochfahren und auch auf Wachstum bedacht sein. Meminto Stories ist einfach noch zu wenig bekannt, das wollen wir ändern. Außerdem haben wir schon Anfragen und Bestellungen aus den USA – den Markt wollen wir uns also auch noch genauer ansehen. Sicherlich wird es auch neue Produkte geben, die weitere Zielgruppen mit einschließen (wir haben da auch schon die eine oder andere Idee!). Ansonsten gibt es noch einige Innovationen, die wir testen wollen. Wenn alles klappt, integrieren wir sie natürlich und machen damit das „Erinnern“ und „Festhalten“ noch einfacher.

Liest du jedes Buch, das bei Meminto gedruckt wird, selbst?

Nein. Nicht einmal, wenn ich wollte, denn dazu reicht mir weder die Zeit, noch würde es mit den Meminto Datenschutz-Regeln zusammenpassen. Wir finden, dass die Geschichten unserer Kunden ein Vertrauensvorschuss an Meminto sind, den wir nicht verspielen werden. Wenn vom Kunden gewünscht, bieten wir jedoch ein Korrektorat an; dann schaut jemand aus dem Team über die Texte, damit das Buch mit korrekter Rechtschreibung und Grammatik gedruckt werden. Auch die Bilder können wir in diesem Prozess anpassen bzw. korrigieren.

Welche Geschichte, die mithilfe von Meminto geschrieben wurde, hat dich am meisten berührt?

Ganz zu Beginn hatte ich meinen Bruder gebeten, ein Meminto Buch auszufüllen. Damit wir einen Prototyp haben. Anstatt mit ausgedachten Geschichten zu arbeiten, schrieb er Geschichten auf, die in unserer Familie wirklich stattgefunden hatten. Da wir einen Abstand von 10 Jahren haben, war ich schon früher ausgezogen, und kannte diese Story noch nicht. Ich war total amüsiert, weil es einfach lustig war. Und ich war total erstaunt, dass ich, der eigene Bruder, noch nichts von dieser Geschichte gewusst hatte.

Tief berührt hat mich aber auch, wie alle meine Verwandten mütterlicherseits am allerersten Erinnerungsbuch mitgearbeitet haben, das zu Ehren meines Opas geschrieben wurde. Als er Anfang des Jahres an Corona starb, setzte ich alle Hebel in Bewegung, um das Lebensbuch so umzustrukturieren, dass die Fragen von den Angehörigen beantwortet werden können. Es funktionierte. 18 Teilnehmer schrieben viele Geschichten über meinen Opa auf, erinnerten sich an schöne, traurige, lustige und bewegende Dinge. Das hat mich schon berührt. Und ich freue mich jedes Mal, das ca. 130 Seiten starke Buche in unserem Regal zu sehen. Eine echte Biografie über meinen eigenen Opa, die es nur gibt, weil es Meminto gibt.

Hat sich der Rhythmus von einer Frage pro Woche, 52 insgesamt, so etabliert oder gibt es häufig Abweichungen davon?

Das ist schwer zu sagen. Wir prüfen im Moment nicht, wer sich an diesen Rhythmus hält. Es ist ja auch keine Pflicht. Manche Benutzer machen es genauso, andere schaffen es, das Buch in einer Woche zu schreiben, andere nehmen sich mehr Zeit. Was wir jedoch prüfen, ist, wie viele Bücher sich in einem bestimmten Stadium der Fertigstellung befinden, damit wir rechtzeitig wissen, welcher Workload im Druck auf uns zukommt. Das sind jedoch interne Zahlen, die wir nicht veröffentlichen.

Wird die Möglichkeit, die Fragen auch telefonisch zu beantworten, häufig genutzt?

Die meisten Menschen haben ein Smartphone, sogar die Älteren. Deshalb: Nein. Diese Option soll auch nur eine Backup-Lösung sein, falls jemand wirklich keinen Bildschirm besitzt, an dem er oder sie arbeiten könnte. Dann ruft Meminto einmal die Woche an und gibt 5 Minuten Zeit, über die Geschichte zu erzählen. Am Ende muss dann eine weitere Person sowieso noch einmal drüber schauen, damit sichergestellt werden kann, dass die Spracherkennung alles richtig in Text umgewandelt hat.

Was sind die hauptsächlichen Vertriebskanäle?

Im Moment Social Media. Vor allem auf Instagram sprechen wir mit vielen Interessenten und zeigen Werbung.

Wie werden die anderen Produkte von Meminto angenommen?

Da es sich hier um Geschenkartikel handelt, werden diese Artikel meistens zu größeren Feiertagen, aber auch zu Geburtstagen bestellt. Sie sind aus unserer Sicht ein Nebenprodukt, etwas, das man aus unseren Fragensammlungen eben auch noch produzieren konnte, aber sie haben nicht unser Haupt-Augenmerk.

Was gibt es für Feedback seitens der Kunden, gibt es bereits Mehrfachkäufer?

Ja, vor allem Mütter, die ein Kindheitsbuch gekauft haben, entscheiden sich auch für ein Beziehungsbuch, um dem Partner eine Überraschung zu machen. Manche Mütter fangen auch ein Kindheitsbuch an, um gleichzeitig über 2 oder 3 Kinder zu schreiben, merken dann aber, dass es viel schöner ist, wenn jedes Kind sein eigenes Buch in den Händen halten kann, und kaufen dann noch eines. Mit unserem Geschwister-Rabatt ist das ja auch eine tolle Sache.

Die meisten Kunden lieben das Prinzip von Meminto, es gibt aber natürlich auch immer Menschen, die damit nichts anfangen können, weil sie einfach nicht schreiben möchten oder ihnen unsere Fragen vielleicht auch manchmal nicht passen. Auch da haben wir natürlich eine Lösung, denn alle unsere Fragen sind austauschbar. Man kann sie auch erweitern, sogar über die Einladen-Funktion. D.h. man lädt andere Familienmitglieder ein, die eigene Fragen beisteuern und so das Produkt für jeden Einzelnen wirklich interessant machen können.

Wie oft kommt es vor, dass ein und dasselbe Buch in größerer Stückzahl bestellt wird oder dass ein Buch unverändert nachbestellt wird?

Bisher hatten wir keine Fälle einer wirklich großen Stückzahl. Jemand hat ein Lebensbuch für die Oma gekauft und dazu gleich 10 Kopien bestellt. Das kam so gut an, dass der Kauf wiederholt wurde und auch der Opa eines schreiben musste…

Dominiert der Anteil an Einzelautoren oder kommt es auch öfter mal vor, dass mehrere an einem Buch schreiben?

Es kommt durchaus öfter vor, dass mehrere Personen an einem Buch schreiben. Das Kindheitsbuch wird z.B. gerne von beiden Elternteilen gefüllt, da jeder seine eigene Sicht der Dinge festhalten kann. Beim Beziehungsbuch gibt es darüber hinaus noch eine tolle Funktion, die die Antwort des Partners erst zeigt, wenn man seine eigene hinzugefügt hat (das ist natürlich optional). Lebensbücher werden jedoch meistens von Einzelautoren gefüllt, wobei ich hier schon gehört habe, dass es manchmal ein Enkel gemeinsam mit den Großeltern macht.

Wird Meminto innerhalb der Familie genutzt? Hast du selbst schon mal ein Buch mithilfe von Meminto geschrieben?

Ja, wie gesagt: Für meinen verstorbenen Opa haben wir das allererste Meminto Stories Erinnerungsbuch geschrieben. Natürlich habe ich selbst auch Fragen beantwortet. Durch den Umgang meiner Familie mit Meminto konnte ich aber auch vieles an der Software optimieren, weil ich direkt am Nabel der Rückmeldungen saß. Das hat wirklich sehr geholfen, das Produkt für alle Kunden besser zu machen.

Wo siehst du Meminto in 10 Jahren?

Ich möchte alles daransetzen, dass Meminto Stories nicht nur eine weitere Ausprägung eines Fotobuchs ist. Persönlich lebe ich nach dem Grundsatz, den ein Psalm besonders gut beschreibt. In Psalm 90,12 lese ich immer wieder:

„Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage uns bleiben, damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!“

Das heißt: Ich will mit Meminto Stories Menschen dazu sensibilisieren, über ihr Leben nachzudenken. Über die Werte, nach denen wir leben. Über das, was wir an die nächste Generation weitergeben können. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Geschichten dazu am allerbesten eignen – das funktioniert einfach seit Jahrtausenden. Und in Zukunft wird sich nichts daran ändern. Mit unseren Fragen können wir Menschen führen, die sich wirklich tiefgehende Gedanken machen. Und wer weiß, vielleicht entdeckt ja der eine oder die andere eine verpasste Gelegenheit im Leben und kann sich dann dazu motivieren, noch einmal aufzustehen, um etwas zu bewegen.

Genau das ist auch meine Vision: Dass Meminto es schafft, etwas in der Welt zu bewegen, egal in welchem Land, egal in welcher Sprache. Denn das ist das Bemerkenswerte: Was wir machen, kann auf der ganzen Welt eingesetzt werden.

Meminto

Schreibe einen Kommentar